Taschen aus Papier sind ein Spass. Papiere und Pappen sind die ungeeignetsten Materialien für die Funktion von Behältnissen, die je nach Gelegenheit und Erfordernis bequem, anschmiegsam, unauffällig, aber elegant zu sein haben. Buchbinderischen Ehrgeiz anhand dieser Eigenschaften zu entwickeln erscheint ganz abwegig vor den Strapazen, denen solche Exponate ausgesetzt sind: Manche der Möglichkeiten, vor allem der atmosphärischen, überleben sie einfach nicht. Vielleicht sind es deswegen nur Erfindungen für einen Abend, dessen Bescheidenheit oder Glamour jene Inszenierungen erfordern, die das Theater für ein grosses Publikum vorsieht. Alles ist falsch und tut so, als ob. Ob aus steifen Materialien immer eine Schachtel werden muss, war die Probe aufs Exempel, und sie glückt immer, wenn das Surrogat perfekt genug aussieht und billig dazu ist – vom Handwerk ganz zu schweigen: Das schlechteste Imitat muss perfekter verarbeitet sein als das Echte, denn niemand verzeiht dem Fälscher die Nachlässigkeit des Originals, das Fehler haben darf, die gerade seine Echtheit beweisen. Da die Formen aus Pappe nicht so schmiegsam sein können wie die Materialien, die sie zum Teil vortäuschen, sind sie eine Herausforderung für den Körper, der sie trägt. Keine Nachlässigkeit ist gestattet, keine Bequemlichkeit erlaubt: Bonbons, die knallen, sind gefährlich wie der Abend selbst.

Adam Löffler, zitiert aus: „Papier – Art – Fashion“,
Katalog der Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
1996, S. 58